Donnerstag, 29. Juni 2017

DTM: Rasender Verkehr in Nürnbergs City

  • Die Rennen auf dem Norisring sind der Saisonhöhepunkt der DTM
  • Stadtkurs in Nürnberg fordert Mensch und Material auf das Äußerste
  • Wittmann will bei seinem Heimrennen endlich auf das Podest

Die DTM ist zurück am Dutzendteich. Keine Stadtrundfahrt ist derart spektakulär, wie jene durch das „Fränkische Monaco“. Was die Faszination eines Autorennens auf öffentlichen Straßen angeht hat der Norisring in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal. Am kommenden Wochenende gibt sich die Hautevolee des Tourenwagensports erneut die Ehre in Nürnberg. Die Veranstaltung auf dem einzig verbliebenen Stadtkurs in Deutschland ist dank ihrer einzigartigen Atmosphäre seit Jahren ein Highlight im Rennkalender. Nur 2,3 Kilometer Länge, über 250 km/h auf der Geraden, mächtige Bremsmanöver vor den Spitzkehren, millimetergenaue Steuerkunst entlang den alten Mauern hinter der Steintribüne - diese halsbrecherische Herangehensweise reizt die Fahrer immer wieder. Seit der Serien-Premiere im Jahr 1984 zählen die DTM-Piloten auf dem Zeppelinfeld zu den Stammgästen. Lediglich 1985 und 1986 ging die DTM am Norisring, der in diesem Jahr sein 75. Jubiläum feiert, nicht an den Start.
 
Durchaus unterschiedlich sind die Ausgangssituationen der drei Hersteller vor dem Saisonhöhepunkt der DTM in der mittelfränkischen Metropole. Mit René Rast, Jamie Green und Mattias Ekström sind gleich drei Audi-Piloten auf den ersten vier Plätzen der Fahrerwertung zu finden. Rookie Rast führt die Tabelle nach dem ersten Saisondrittel mit 70 Punkten an und er hat gute Erinnerungen an den Norisring. 2012 holte Rast im Porsche Carrera Cup zweimal die Pole-Position, gewann beide Rennen und drehte zweimal die schnellste Runde. „Ich mag Stadtkurse sehr gerne. Der Norisring ist eine große Herausforderung. Er ist wellig, man muss spät bremsen – das kommt mir entgegen.“ Mit einem DTM-Auto betritt Rast in Nürnberg indes Neuland. „Am Anfang ist es sicher ein kleiner Nachteil. Aber ich werde im Training viele Runden fahren und ich hoffe, dass ich mich schnell eingewöhnen kann.“
 
Jamie Green, Dritter im Tableau mit 65 Punkten, siegte bereits vier Mal auf dem Kurs zwischen Dutzendteich und Nürnberger Fußballstadion. „Es gibt DTM-Strecken, die mich fahrerisch mehr reizen. Aber für die Fans ist der Kurs perfekt. Und dass mir der Norisring liegt, habe ich nicht nur bei meinen vier Siegen bewiesen. Ich war dort immer schnell“, so der Brite, der deshalb auch den Spitznamen „Mr. Norisring“ verliehen bekam.
 
Ein sehr gutes Pflaster war der Norisring bislang für Mercedes-AMG Motorsport: Mit 18 Siegen sind die Stuttgarter hier die erfolgreichste Marke auf dem Stadtkurs. Lucas Auer, Gesamtzweiter mit 69 Punkten, hofft nach seiner Nullnummer von Budapest auf ein erfolgreiches Comeback: „Der Norisring war in der Vergangenheit immer eine Mega-Strecke für Mercedes. Aber auch ich verbinde mit dem Stadtkurs viele positive Erinnerungen. Der Norisring ist meine Lieblingsstrecke im DTM-Rennkalender. Es ist ein Straßenkurs mit vielen langen Geraden und es sind auch immer viele Zuschauer da. Darauf freue ich mich unheimlich.“
 
Nachholbedarf hat BMW. Für die Münchner um Titelverteidiger Marco Wittmann wird es Zeit, dass der Knoten platzt. Beim sechsten Saisonlauf in Budapest stand der 27-Jährige zwar als Zweiter in der ersten Startreihe. Im Rennen schied der Fürther aber auf Platz sechs liegend zwei Runden vor Schluss aufgrund eines aufgewirbelten Styropor-Teiles, das den Luftkanal an seinem M4 blockierte, aus. Während Wittmann, der mit 24 Punkten derzeit nur Zwölfter ist, am Hungaroring Pech hatte, gelangen zumindest Timo Glock, Bruno Spengler und Maxime Martin durch glückliche Umstände und/oder eine aggressive Strategie Podiumsplätze. Dennoch ist BMW mit nur 124 Punkten gegenüber Audi (284) und Mercedes-AMG (234) unter Zugzwang.
 
Marco Wittmann gewann bereits auf sechs verschiedenen Rennstrecken in der DTM. Nur vor der eigenen Haustür war ihm bislang nicht mehr als Platz vier als beste Platzierung beschieden. „Zu wissen, dass Fan-Klub, Freunde und Familie vor Ort sind, gibt mir den Extraschub an Motivation. Ich habe mich die letzten Jahre stetig gesteigert am Norisring. Es wird mal Zeit für mehr. Mein persönliches Ziel ist es, diesmal beim Heimrennen zumindest auf dem Podium zu stehen.“
 
Eine kurzfristige wichtige Programmänderung des TV-Partners ARD hat eine neue Startzeit des ersten Laufs am Norisring am Samstag zur Folge. Der ursprünglich für 18:55 Uhr geplante Start wird auf 13:25 Uhr vorverlegt. Das Rennen am Sonntag findet wie geplant um 17:25 Uhr statt.
 
Rasant ist auch das Rahmenprogramm am Norisring mit der FIA Formel 3 Europameisterschaft, Audi Sport TT Cup und Porsche Carrera Cup. Ein besonderes Highlight sind zudem die Tourenwagen Classics, bei denen 30 historische DTM-Fahrzeuge die alten Zeiten wieder aufleben lassen.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Robert Wickens: „50 Jahre AMG ist eine große Sache und ich freue mich sehr, das auf meinem Auto zu repräsentieren“

Drei Fragen an Robert Wickens:

Robert Wickens startet am Norisring mit neuem Fahrzeugdesign
Bild: Mercedes-Motorsport
Am vergangenen Wochenende hast du zum ersten Mal an einem Freien Training bei den Indycars teilgenommen. Wie kam es dazu?
 
Robert Wickens: Ich hatte mich auf ein entspanntes Wochenende zuhause eingestellt. Dann habe ich am Donnerstagnachmittag einen Anruf von Schmidt Peterson Motorsports erhalten. Mit diesem Team haben wir im April schon den Fahrzeugtausch mit James Hinchcliffe gemacht. Sie fragten mich, ob ich nach Road America kommen und für Mikhail Aleshin einspringen könnte, der Schwierigkeiten bei der Einreise hatte. Zum Glück stimmte Toto zu und schon saß ich in einem Flugzeug nach Wisconsin. Wir kamen nicht vor 10:00 Uhr abends am Donnerstag im Hotel an und das 1. Freie Training war schon sehr früh am Freitagmorgen. Darauf musste ich mich erst einmal einstellen. Das Training selbst hat Spaß gemacht und die Strecke war richtig gut. Es wäre fantastisch, wenn wir dort eines Tages ein DTM-Rennen bestreiten könnten. Ich wollte natürlich das ganze Wochenende fahren, aber der Einsatzfahrer löste seine Probleme und war bis Freitagabend an der Strecke. Damit war meine Pflicht erfüllt, aber es war dennoch ein schöner Freitag.
 
Hast du jetzt Blut geleckt und möchtest Indycar Rennen fahren?
 
Robert Wickens: Ehrlich gesagt nicht. Ich möchte einfach nur Rennautos fahren. Das ist das Wichtigste für mich. Ich habe im Moment kein Verlangen, die DTM zu verlassen. Alles läuft gut und ich bin bei Mercedes richtig happy.
 
Am Norisring erhältst du erneut ein neues Fahrzeugdesign. Findest du es gut, dass du immer wieder ein anders aussehendes Auto fährst? Und was erwartest du an diesem Wochenende?
 
Robert Wickens: Ich glaube, dass ich es bei der VfB Stuttgart Sonderlackierung schon gesagt habe: Wenn ich im Auto sitze, sehe ich den Unterschied nicht. Aber es ist cool, so lange die Fans es mögen. 50 Jahre AMG ist eine große Sache und ich freue mich sehr, das an diesem Wochenende auf meinem Auto repräsentieren zu dürfen. Ansonsten habe ich keine besonderen Erwartungen an das Wochenende. Die DTM ist so eng umkämpft. Ich hatte in der Vergangenheit das Glück, viele gute Ergebnisse auf dem Norisring gehabt zu haben. Aber das bedeutet nicht, dass es wieder so sein wird. Wir müssen sehr hart arbeiten. Die Strecke hat Mercedes in den vergangenen Jahren gelegen, aber wir wissen nicht, ob wir noch immer einen Vorteil haben. Mein Team hat bislang in diesem Jahr großartige Arbeit geleistet, obwohl es bei unseren Ergebnissen etwas auf und ab gegangen ist. Es wäre großartig, wenn wir dieses Wochenende viele Punkte mitnehmen könnten.

DTM Norisring mit geändertem Zeitplan

Foto: Jens Hawrda
Wegen einer ARD-Sondersendung zum Gedenken an Altkanzler Helmut Kohl beginnt das erste der beiden DTM-Rennen auf dem Norisring am Samstag (1. Juli) bereits um 13.25 Uhr. Wegen der früheren Startzeit werden am Samstag auch das Freie Training (8.45 Uhr) und das Qualifying (10.20 Uhr) vorgezogen. Der Zeitplan am Sonntag (2. Juli) bleibt unverändert. Das zweite DTM-Rennen startet um 17.20 Uhr, das Qualifying beginnt um 14 Uhr.

Mercedes will den Grundstein für eine neue Erfolgsserie auf dem Norisring legen

Mercedes-AMG Motorsport DTM-Fahrer sind heiß auf das Saisonhighlight in den Straßen von Nürnberg
  • Der zweimalige Norisring-Sieger Robert Wickens startet in Nürnberg anlässlich des 50. Geburtstags von Mercedes-AMG mit einem speziellen AMG-Design
  • Der Norisring war bislang ein gutes Pflaster für Mercedes-AMG Motorsport: Mit 18 Siegen ist sie die erfolgreichste Marke auf dem Stadtkurs
  • Ulrich Fritz: „Nachdem unsere langjährige Siegsträhne auf dem Norisring im vergangenen Jahr ja leider - sagen wir mal etwas unrühmlich -  gestoppt wurde, wollen wir am Wochenende den Grundstein für eine neue legen.“
Blick in die Box von Lucas Auer (Mercedes)
Foto: Jens Hawrda
Stimmen der Mercedes-Piloten vor dem DTM-Rennen auf dem Norisring:
Lucas Auer (22 Jahre, Österreich):
„Der Norisring war in der Vergangenheit immer eine Mega-Strecke für Mercedes. Aber auch ich verbinde mit dem Stadtkurs viele positive Erinnerungen. Der Norisring ist meine Lieblingsstrecke im DTM-Rennkalender. Es ist ein Straßenkurs mit vielen langen Geraden und es sind auch immer viele Zuschauer da. Ich bin mir sicher, dass wir den Fans an diesem Wochenende wieder eine Mega-Show bieten werden. Wie in jedem Jahr wird es auch diesmal am Norisring wieder rund gehen. Das Rennwochenende ist jedes Jahr ein absolutes Highlight. Darauf freue ich mich unheimlich.“


Gary Paffett (36 Jahre, England):
„Ich freue mich auf den Norisring. Es ist einer der Höhepunkte der Saison und ich habe dort schon ein paar Mal gewonnen. Für die meisten Fahrer ist es eines ihrer Lieblings-Wochenenden des Jahres und Mercedes hat dort ebenfalls schon sehr gute Rennen gehabt. Jetzt möchte ich meine Serie an Punkteergebnissen fortsetzen und hoffentlich zwei weitere starke Resultate einfahren. Ich werde versuchen, auf das Podium zu fahren und mich dadurch in der Meisterschaft etwas weiter nach vorne zu schieben.“


Paul Di Resta (31 Jahre, Schottland):
„Auf den Norisring freue ich mich immer. In diesem Jahr wird es interessant sein, zu sehen, wie sich die neuen Regeln und die weicheren Reifen auf dieser Strecke auswirken. In der Vergangenheit konnten wir stets sehr optimistisch nach Nürnberg reisen. Nach dem etwas überraschenden Erfolg am letzten Wochenende können wir hoffentlich auch diesmal vorne mitmischen. Es ist ein kritischer Zeitpunkt in der Meisterschaft. Deshalb gilt für mich das Motto: Maximum Attack.“


Robert Wickens (28 Jahre, Kanada):
„Ich hatte ein paar interessante Tage seit Budapest. Jetzt geht es auf den Norisring - eine meiner Lieblingsstrecken neben dem Hungaroring. Ich habe in Nürnberg schon einige gute Ergebnisse erzielt. Hoffentlich kann ich daran anknüpfen und mich nach dem Wochenende in Budapest wieder vorne zurückmelden. Auf dem Norisring muss man die Strecke richtig attackieren. Du kannst so viel Zeit beim Bremsen gutmachen. Es gibt keine richtig normale Kurve auf dem gesamten Kurs. Es ist definitiv eine Fahrerstrecke. Sie ist einzigartig und du musst die richtige Linie finden. Auch musst du deine Bremspunkte ganz genau treffen. Wenn du dich nur um einen Meter vertust, könnte das den Unterschied zwischen P1 und einem Rang außerhalb der Top-10 ausmachen.“


Edoardo Mortara (30 Jahre, Italien):
„Nach Budapest geht es jetzt zum Norisring. Ich freue mich sehr auf das Rennwochenende in Nürnberg. Allerdings weiß ich noch nicht, was wir dort erwarten können. Es könnte in beide Richtungen gehen, aber ich hoffe natürlich, dass wir ein gutes Wochenende erwischen. Mercedes war auf dem Norisring in den vergangenen Jahren immer sehr konkurrenzfähig. Entsprechend bin ich gespannt darauf, zum ersten Mal in einem Mercedes dort zu fahren. Zudem habe ich 2016 das erste Rennen auf dem Norisring gewonnen. Die Zutaten für ein gutes Wochenende sind also alle vorhanden. Deshalb gehe ich es optimistisch an.“


Maro Engel (31 Jahre, Deutschland):
„Das Rennwochenende auf dem Norisring ist ganz klar eines der Saison-Highlights. In der Vergangenheit hatte ich dort viele gute Rennen, unter anderem hätte es beinahe auch schon einmal mit einem Podiumsplatz in einem Jahreswagen geklappt. Das steigert meine Vorfreude auf dieses Wochenende natürlich noch einmal. Generell wollen wir nach dem Wochenende in Ungarn, das für uns nicht ganz so erfolgreich verlaufen ist, wieder in die Spur finden und kräftig Punkte mitnehmen.“

Dienstag, 27. Juni 2017

DTM: Audi mit Vorsprung zum Norisring

  • Spitzenreiter in Fahrer-, Hersteller- und Teamwertung
  • Senkrechtstarter René Rast mit starker Norisring-Bilanz
  • Mattias Ekström verzichtet für DTM auf Rallycross-WM-Lauf
Mike Rockenfeller vor Mattias Ekström (beide Audi)
Foto: Jens Hawrda
Als Spitzenreiter aller drei Wertungen reist Audi am Wochenende zum Saisonhöhepunkt der DTM. Vor dem Rennen auf dem Norisring in Nürnberg liegen drei Audi-Piloten auf den ersten vier Plätzen der Fahrerwertung. Und alle drei lieben den Stadtkurs: René Rast, Jamie Green und Mattias Ekström gehen mit großen Erwartungen an den Start.

DTM-Senkrechtstarter René Rast führt mit seinem Audi RS 5 DTM nach dem ersten Saisondrittel die Tabelle an. Seine Bilanz am Norisring ist stark. Bisheriges Highlight: 2012 holte Rast im Porsche Carrera Cup zweimal die Pole-Position, gewann beide Rennen und drehte zweimal die schnellste Runde. „Ich mag Stadtkurse“, sagt der Pilot vom Audi Sport Team Rosberg, das in der Teamwertung führt. „Der Norisring ist eine große Herausforderung. Er ist wellig, man muss spät bremsen – das kommt mir entgegen.“

Teamkollege Jamie Green trägt den Spitznamen „Mister Norisring“. Bereits vier Mal siegte der Brite auf dem nur 2,3 Kilometer kurzen Stadtkurs zwischen Dutzendteich und Nürnberger Fußballstadion. „Es gibt DTM-Strecken, die mich fahrerisch mehr reizen“, sagt der Brite. „Aber für die Fans ist der Kurs perfekt. Und dass mir der Norisring liegt, habe ich nicht nur bei meinen vier Siegen bewiesen. Ich war dort immer schnell.“

Das gilt auch für Mattias Ekström, der seit 17 Jahren auf dem Norisring startet und dabei stets einer der stärksten Audi-Fahrer war. Sieben Mal stand der Schwede in Nürnberg bisher auf dem Podium, ein Sieg auf dem Norisring fehlt ihm allerdings noch. Am Wochenende hat er zwei weitere Chancen und verzichtet dafür sogar auf einen Start beim Rallycross-WM-Lauf in seiner Heimat. „Ich bin froh, dass mir mein Chef (Dieter Gass) diese Entscheidung abgenommen hat“, sagt Ekström. „Dass ausgerechnet mein Heimrennen in Höljes und eines meiner Lieblingsrennen in der DTM kollidieren, ist extrem schade. Ich wäre gerne beide gefahren, aber das ist leider unmöglich.“

„Es war eine sehr schwierige Entscheidung, weil wir noch früh in der Saison sind und Mattias in beiden Meisterschaften Titelchancen hat“, sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Der Werkseinsatz in der DTM hat für uns aber Priorität. Mattias kann in diesem Jahr seinen dritten DTM-Titel gewinnen und war am Norisring schon immer sehr stark. Im vergangenen Jahr haben wir am Norisring nach einer langen Zeit endlich wieder gewonnen. Darauf wollen wir aufbauen, erwarten aber eine extrem enge Veranstaltung. Technisch geht es in Nürnberg um Bremse, Traktion und Top-Speed – alles Stärken unseres neuen Audi RS 5 DTM.“