Samstag, 18. November 2017

Drei Fragen an Maro Engel

Nach den Siegen aus den Jahren 2014 und 2015 sowie dem dritten Rang aus dem Vorjahr ist das Ziel von Mercedes-AMG Motorsport für den FIA GT World Cup Macau 2017 klar: Der GT3-Titel soll zurück nach Affalterbach. Entsprechend stark präsentiert sich das Fahrer- und Teamaufgebot: Vier Mercedes-AMG GT3 gehen vom 16. bis 19. November auf dem 6,1 Kilometer langen Guia Circuit in der chinesischen Metropole Macau auf Titeljagd. Die Cockpits sind mit Maro Engel (GER), Daniel Juncadella (ESP), Edoardo Mortara (ITA) und Raffaele Marciello (ITA) hochrangig besetzt. Je zwei Fahrzeuge werden vom Mercedes-AMG Team GruppeM Racing sowie dem Mercedes-AMG Team Driving Academy eingesetzt. Zudem erhalten beide Teams eine umfängliche Unterstützung der HWA AG. Als besonderes Highlight startet ein Mercedes-AMG GT3 in einem speziellen Design der US-amerikanischen Rockband Linkin Park.
Mercedes-AMG GT3320 im Design der "ChangeDirection Foundation"
Foto: Mercedes-Motorsport 
Maro, der FIA GT World Cup Macau (16.-19. November) steht kurz bevor. Mit welchen Erwartungen gehst du in Macau an den Start?

Maro Engel:
Ich freue mich sehr, wieder für Mercedes-AMG in Macau starten zu dürfen. Der FIA GT World Cup ist für mich in jedem Jahr ein absolutes Highlight im Rennkalender. Durch meine beiden Siege 2014 und 2015 und auch durch Rang drei im Vorjahr habe ich zu Macau eine ganz besondere Beziehung aufgebaut. Und mit dem Mercedes-AMG GT3 macht es einfach riesigen Spaß, dort zu fahren. Das Starterfeld ist wie in den vergangenen Jahren auch enorm stark besetzt, aber ich habe ein tolles Team hinter mir und der Mercedes-AMG GT3 ist ein fantastisches Auto. Es geht um den FIA GT World Cup und den wollen wir natürlich gewinnen. Im vergangenen Jahr mussten wir den Titel leider abgeben, umso größer ist die Motivation von uns allen, an unsere Leistungsgrenze zu gehen und den Titel zurück nach Affalterbach zu holen.

Was ist das Besondere an Macau?

Maro Engel:
Das Flair ist einfach unvergleichlich. Die Rennstrecke auf der Halbinsel ist umgeben von Spielcasinos. Es ist nicht einfach nur ein Rennen, sondern DAS Event zum Abschluss der Motorsport-Saison. Und vor allem die Rennstrecke ist einzigartig. Ein Stadtkurs, der alles bietet: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt knapp 300 km/h, die schnellste Kurve fährt man mit bis zu 250 km/h und die wahrscheinlich langsamste im gesamten Motorsport, die Melco Hairpin, mit nur 30 km/h. Die Streckenbreite variiert von sehr breit im unteren schnellen Teil, zu extrem eng mit hohen Leitplanken im oberen bergigen Abschnitt. Der Rhythmus der Strecke wird dabei jedoch nie unterbrochen. All das macht die Rennstrecke so besonders. Das Überholen ist sehr schwierig und nur im unteren Abschnitt möglich. Dadurch haben die Qualifyings und Starts eine extrem hohe Bedeutung. Dennoch sind die Rennen meist sehr spektakulär, wie man im vergangenen Jahr sehen konnte.

Dein Mercedes-AMG GT3 wird in Macau das Logo von Linkin Park sowie die Schriftzüge „Music For Relief“ und „320 ChangeDirection Foundation“ tragen. Was hat es damit auf sich?

Maro Engel:
Ich kenne und schätze die Jungs von Linkin Park sehr – von daher ist es für mich eine riesige Ehre, in Macau mit dem Band-Logo unterwegs zu sein. Umso mehr, da es um einen guten Zweck geht: „Music For Relief“ ist die gemeinnützige Hilfsorganisation der Band und bei der „320 ChangeDirection Foundation“ handelt es sich um eine Initiative von Talinda Bennington, mit der sich die Frau des verstorbenen Bandleaders für mentale Gesundheit engagiert. Wir sind sehr froh, dass wir Linkin Park und Talinda in Macau eine Plattform zur Verfügung stellen können, um auf den guten Zweck aufmerksam zu machen.


Dienstag, 14. November 2017

Edoardo Mortara im Interview (3): „Ich bin ein ehrgeiziger Fahrer, ich hasse es, zu verlieren“

Motorsport, Fußball und Bildung: Edoardo Mortara war von klein auf an vielen Bereichen interessiert. Wir stellen in einer dreiteiligen Interview-Reihe den Menschen hinter dem Rennfahrer vor. Im letzten Teil spricht Edoardo über...

  • den Druck in der DTM: „Er ist nicht furchtbar, denn Druck hat man überall. Man lernt, damit umzugehen.“
  • seine Gesundheit: „Ich glaube einfach, mit dem richtigen Training und dem richtigen Essen kannst du besser sein als die anderen.“
  • seinen Lebenstraum: „Ich bin nicht der Träumer, ich versuche eher, etwas umzusetzen.“

Edoardo Mortara
Foto: Jens Hawrda
Edo, hat sich dein Leben stark verändert, als du in die DTM gekommen bist? Oder war es eine normale Entwicklung zu dem, was du vorher in deinem Leben gemacht hast?

Edoardo Mortara: Beides. Natürlich verändert sich dein Leben. Es war zwar nicht die Formel 1, aber ein höheres Level als die Kategorien, in denen ich vorher gefahren bin. Man fährt jetzt für einen Hersteller, hat größere Verantwortung, muss mehr liefern. Es ist anders, aber es ist schön.

Der Druck muss für einen aufstrebenden Rennfahrer furchtbar sein, oder?

Edoardo Mortara: Er ist nicht furchtbar, denn Druck hat man überall. Man lernt, damit umzugehen. Es wird zwar mehr, aber man kann damit umgehen. Das ist das Schöne daran. Ein guter Weg ist es, indem man seine Resultate erst einmal für sich selbst einfährt und nicht für den Arbeitgeber. Das klingt egoistisch, aber für mich ist es der beste Weg.

Wie wichtig ist das Thema Gesundheit für dich?

Edoardo Mortara: Es geht dabei nicht nur ums Essen. Wenn man konkurrenzfähig sein will, muss man immer Bereiche finden, in denen man besser ist als die anderen. Während des Fahrens sind das andere Fahrlinien, andere Techniken. Wenn man aber ein Level erreicht hat, auf dem alle gut sind, versucht man andere Techniken. Ich glaube, dass das richtige Essen und Training einen kleinen Unterschied ausmachen können.

Es ist bemerkenswert, dass du dich extra in die Universität setzt, um etwas über dieses Thema zu hören...

Edoardo Mortara: Ich bin ein ehrgeiziger Fahrer, ich hasse es, zu verlieren. Es pusht einen einfach, alle möglichen Wege zu finden, um vor den anderen zu sein. Ich glaube einfach, mit dem richtigen Training und dem richtigen Essen kannst du besser sein als die anderen. Ich war auch etwas gezwungen, mich um meine Ernährung zu kümmern, da ich gesundheitliche Probleme hatte. Ich habe dann schnell herausgefunden, dass du mit einer anderen Ernährung einen großen Unterschied für deine Gesundheit machen kannst. Und ich denke einfach, wenn du gesünder bist, bist du auch konkurrenzfähiger. An der Uni war ich auch, um mir in den Bereichen Chemie und Biologie noch ein paar mehr Kenntnisse anzueignen, denn das hat mir schon in der Schule Spaß gemacht.

Gibt es einen Traum, den du dir in deinem Leben gerne noch erfüllen möchtest?

Edoardo Mortara:
Um glücklich zu sein, sollte man nicht zu große Träume haben. Ich bin glücklich mit meinem Leben. Ich habe ein paar Projekte, die ich gerne beenden würde. Das ist nicht einfach. Ich bin nicht der Träumer, ich versuche eher, etwas umzusetzen.

Samstag, 11. November 2017

Edoardo Mortara im Interview (2): „Es gibt nur wenige Leute, die auf beides achten - die eigenen Interessen und deine.“

Motorsport, Fußball und Bildung: Edoardo Mortara war von klein auf an vielen Bereichen interessiert. Wir stellen in einer dreiteiligen Interview-Reihe den Menschen hinter dem Rennfahrer vor. Im zweiten Teil spricht Edoardo über...

  • seine Lehren: „Du musst dir die richtigen Leute aussuchen. Aber natürlich muss man erst die falschen Leute kennen lernen, um die Lektionen zu lernen.
  • seine Tochter Sophia: „Es ist eine große Veränderung. Man muss viel mehr aufpassen, der Fokus verschiebt sich deutlich mehr in ihre Richtung.“
  • seine Fußballer-Karriere: „Wenn man Profi werden will, geht es vor allem darum, gesund zu bleiben.“
Edoardo Mortara, vor seinem Wechsel zu Mercedes war er bis 2016 für Audi im Einsatz
Foto: Jens Hawrda
Edo, kannst du dich noch an das erste Mal erinnern, als du einem Fan ein Autogramm gegeben hast?

Edoardo Mortara: Nein, nicht wirklich. Diese Dinge passieren ziemlich früh, schon im Kartsport.

Ist es etwas seltsam, wenn man sieht, dass es da Leute gibt, die dich anfeuern und deine Karriere verfolgen?

Edoardo Mortara: Wenn man jung ist, realisiert man diese Dinge nicht so sehr. Wenn man damit aufwächst, wird das zur Normalität.

Hattest du das Gefühl, dass es in deinem Umfeld auch Leute gab, die nicht das Beste für dich wollen, sondern nur für sich selbst?

Edoardo Mortara: Immer! Aber das ist normal. Das lernt man sehr früh.

Ist es hart, wenn man so etwas realisiert?

Edoardo Mortara: Es ist Teil des Spiels. Jeder schaut auf seine eigenen Interessen. Es gibt nur wenige Leute, die auf beides achten - die eigenen Interessen und deine. Du musst dir die richtigen Leute aussuchen. Aber natürlich muss man erst die falschen Leute kennen lernen, um die Lektionen zu lernen.

Worüber machst du dir die meisten Sorgen?

Edoardo Mortara: Nichts Besonderes. Ich bin jetzt Vater, das sind dann solche Dinge wie nicht mehr in der Lage zu sein, auf meine Frau oder die Kinder aufpassen zu können. Das macht mir am meisten Angst.

Wie hat sich dein Leben durch eure Tochter Sophia verändert?

Edoardo Mortara: Es ist eine große Veränderung. Man muss viel mehr aufpassen, der Fokus verschiebt sich deutlich mehr in ihre Richtung. Ein Baby zu haben, ist hart, besonders für meine Frau. Sie muss sich die meiste Zeit um das Baby kümmern. Ich bin leider nicht oft zu Hause.

Wie hilfst du ihr, wenn du zu Hause bist? Bist du auch jemand, der Windeln wechselt?

Edoardo Mortara: Soll ich ehrlich sein? Nicht oft genug. Sie macht sehr viel. Wenn ich zu Hause bin, habe ich auch viel zu tun, ich bin in den Restaurants, in den Fabriken, um zu sehen, was los ist. Und an den Rennwochenenden liegt der Fokus komplett auf dem Rennsport. Ich bin nicht oft daheim, ich gehe morgens um acht oder neun Uhr aus dem Haus und komme gegen zehn Uhr abends zurück. Ich versuche, Zeit zu haben, um sie zu sehen, denn das ist wichtig, um diese Verbindung zwischen dir und dem Kind aufzubauen. Aber es ist nicht einfach.

Kannst du dich an einen Tag erinnern, an dem du eine Entscheidung getroffen hast, die dein gesamtes restliches Leben beeinflusst hat?

Edoardo Mortara: Ich bin nicht der Typ, der in die Vergangenheit zurückschaut. Natürlich habe ich einige Entscheidungen getroffen, die Einfluss auf mein Leben hatten. Aber bisher bin ich sehr zufrieden mit den Entscheidungen, die ich getroffen habe. Die großen Entscheidungen sind solche Dinge wie ob man heiratet oder ob man studieren soll. Ich bin froh, dass ich Eltern hatte, die in diesen Dingen sehr streng waren. Ich habe auch die Wahl getroffen zwischen Fußball und Rennsport, wobei ich da auch etwas gezwungen wurde. Ich musste aufhören. Ich hatte mir das Knie verletzt, dann die Schulter, dadurch war ich für eineinhalb Jahre raus.

War das für dich die härteste Zeit, als du verletzt warst und wusstest, dass deine Fußballer-Karriere quasi vorbei ist?

Edoardo Mortara:
Sie war noch nicht vorbei, aber es war hart. Mein Knie war kaputt und man weiß, wenn solche Verletzungen passieren, ist die Chance kleiner, es zu schaffen. Wenn man Profi werden will, geht es vor allem darum, gesund zu bleiben. Viele sehr gute Fußballer haben sich früh verletzt und haben es nie geschafft. Das konnte ich auch in meinem Freundeskreis sehen. Einige waren unglaublich, aber dann haben sie sich verletzt und konnten nichts mehr machen.

Freitag, 10. November 2017

Edoardo Mortara im Interview (1): „Der Motorsport hat mir geholfen, schneller erwachsen zu werden“

Motorsport, Fußball und Bildung: Edoardo Mortara war von klein auf an vielen Bereichen interessiert. Wir stellen in einer dreiteiligen Interview-Reihe den Menschen hinter dem Rennfahrer vor.
Im ersten Teil spricht Edoardo über...

  • seine Schulbildung: „Wenn ich in der Schule keine guten Leistungen gebracht hätte, hätte ich nicht Kart fahren dürfen.“
  • seine Hobbys: „Es war nicht einfach, Fußball und den Kartsport zu vereinen.“
  • seine Karrierewahl: „Ich habe dann aber mit dem Fußball aufgehört und wahrscheinlich damit die richtige Wahl getroffen.“
Edoardo Mortara
Foto: Mercedes-Motorsport, Hans-Dieter Seufert

Edo, wann bist du das erste Mal mit dem Rennsport in Berührung gekommen?


Edoardo Mortara: Als Hobby habe ich im Alter von acht Jahren mit dem Kartfahren begonnen, mit Rennfahren habe ich dann etwa mit zehn Jahren angefangen. Damals konnte man erst mit zehn Jahren Rennen fahren, das lag an der Kategorie. Aber der Moment, als ich realisiert habe, dass ich wirklich ein Rennfahrer werden könnte, war später. Das war nie in meinem Blickfeld. Als ich Kart gefahren bin, wollte ich dort Weltmeister werden. Das Ziel habe ich einige Jahre verfolgt, bin lange im Kartsport geblieben und bin dann in den Formelsport aufgestiegen.

Wie bist du als Kind aufgewachsen? Wie waren deine Eltern?

Edoardo Mortara: Ich bin in Genf aufgewachsen. Meine Mutter hat mich und meinen Bruder immer zu den Rennen begleitet. Mein Vater war Pilot und deshalb immer viel in der Welt unterwegs. Und zudem ist er auch in Finanzgeschäften aktiv. Das hat er sein ganzes Leben gemacht.

Wie bist du damals zum Kartsport gekommen?

Edoardo Mortara: Meine Onkel mütterlicherseits sind in Frankreich Rallyes gefahren, als sie jünger waren. Und auch mein Vater ist Rallye gefahren. Es liegt also ein bisschen in der Familie. Auf die Kartbahn bin ich das erste Mal mit acht Jahren gegangen und es hat mir Spaß gemacht. Jeder in meiner Familie hat meinen Bruder und mich dazu gepusht, Kartsport zu betreiben.

Was ist aus deinem Bruder geworden?

Edoardo Mortara: Er ist auch Kart gefahren, als er jünger war, wir sind also zusammen Kart gefahren. Aber es war nicht sein Ding, er hat mit 16 oder 17 damit aufgehört.

Bist du von Beginn an in Italien gefahren?

Edoardo Mortara: In der Schweiz konnte man nicht wirklich Rennsport betreiben. Die großen Meisterschaften und die gesamte Kart-Industrie sind in Italien, daher findet man das beste Level für Kartsport normalerweise in Italien. Ich bin immer dort gefahren.

Wie hat das mit der Familie funktioniert? Sind sie immer mitgekommen?

Edoardo Mortara: Zu Beginn, als ich etwa zehn Jahre alt war, sind sie mit mir gereist. Da mein Bruder auch gefahren ist und mein Vater meistens nicht dabei sein konnte, sind wir zusammen gefahren. Und als ich dann 12 oder 13 war, habe ich angefangen, alleine zu den Rennen zu reisen.

Wie hat das mit der Schule geklappt?

Edoardo Mortara: Ich hatte keine Probleme in der Schule. Das war auch sehr wichtig für meine Eltern. Sie wollten auf jeden Fall, dass ich die Schule beende und am besten auch noch auf die Universität gehe. Das war ganz gut, denn sie haben mir diese Richtung vorgegeben. Wenn ich in der Schule keine guten Leistungen gebracht hätte, hätte ich nicht Kart fahren dürfen. Irgendwann wurde es dann meine größte Leidenschaft, und um dieser weiterhin nachgehen zu können, musste ich in der Schule gut sein. Ich hatte also gar keine wirkliche Wahl.

Du hast mal gesagt, du warst auch im Fußball ziemlich gut.

Edoardo Mortara: Ich habe nicht gesagt, dass ich sehr gut war. Aber ich wollte Fußballer werden, ja. Ich habe bei einem Verein in Genf angefangen, und wurde dann später in den großen Klub befördert. Dort war es schon ziemlich gut, sie haben die Schweizer Liga gewonnen und auch im Europapokal gespielt. Dort habe ich die meiste Zeit in meiner Kindheit gespielt. Ich wurde auch für die Jugendmannschaften gescoutet und danach wäre ich eigentlich Profi geworden. Mein Problem aber war, dass ich einige Verletzungen hatte und deshalb aufhören musste. Aber als ich so 11, 12 oder 13 Jahre alt war, war ich ganz gut. Ich wurde auch in die Schweizer Jugend-Nationalmannschaft berufen, habe aber nicht gespielt. Es war nicht einfach, Fußball und den Kartsport zu vereinen
.
Das wäre auch meine nächste Frage gewesen: Wie ging das zusammen?

Edoardo Mortara: Es war schwierig. Einige Spiele konnte ich nicht machen, was den Fußball-Trainern natürlich nicht gefallen hat. Sie haben mich gepusht, weiterzumachen. Schlussendlich habe ich es hinbekommen, beides zu machen. Ich habe dann aber mit dem Fußball aufgehört und wahrscheinlich damit die richtige Wahl getroffen.

Du warst im Fußball aktiv, du warst im Kartsport aktiv. Wie sah dein Privatleben aus? War es hart, Freundschaften am Leben zu erhalten?

Edoardo Mortara: Die Freunde sieht man ja in der Schule, aber natürlich war es schwierig, das auszuweiten, weil man an Rennwochenenden nichts zusammen machen konnte. Gary sagte etwas, das auch auf mich zutrifft. Er meinte: Man hat seine Freunde unter der Woche und dann hat man seine Freunde am Wochenende. Das sind zwei unterschiedliche Welten und ich denke, es hat mir dabei geholfen, schneller erwachsen zu werden. Wenn man in dem Alter alleine reist, trifft man andere Leute. Es waren einfach andere Realitäten. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und habe dort nichts vermisst. Wenn man aber reist, bekommt man einen anderen Blick für die Dinge.

Mittwoch, 8. November 2017

DTM: Drei Fragen an Robert Wickens

Robert Wickens verlässt die DTM in Richtung Indy-Car, im Kurzinterview äußert er sich  zu seiner Zeit im Mercedes-DTM-Team.
Robert Wickens
Foto: Jens Hawrda
Rob, wenn du die letzten sechs Jahre Revue passieren lässt: Was ist deine schönste Erinnerung an die DTM?
 
Robert Wickens: Ehrlich gesagt sind die schönsten Erinnerungen jene an die vergangenen drei Jahre, in denen ich mich in der DTM besser zurechtgefunden und mehr zu einem Titelanwärter entwickelt habe. Das war ein echtes Vergnügen. Im ersten Jahr musste ich mich in der DTM einleben und danach war es eine große Ehre, zu HWA wechseln zu dürfen. Natürlich war auch mein erster DTM-Sieg auf dem Nürburgring 2013 ein absolut fantastisches Gefühl. Denn ich wusste, dass viele Formel-Rennfahrer und Ex-Formel 1-Piloten in der DTM zu kämpfen hatten. Entsprechend war es für mich eine große Erleichterung, dass ich so schnell gewinnen konnte. Ich hatte einige fantastische Rennen und Teamergebnisse und es ist wirklich schwierig, nur eines davon herauszugreifen. Aber ich würde definitiv sagen, dass ich mich am meisten an die letzten drei Jahre erinnern werde.
 
Wie wichtig waren für dich die Menschen in der DTM und im Team, allen voran deine Freundschaft mit Gary?
 
Robert Wickens: Das waren sechs fantastische Jahre in meinem Leben. Ich kann mich bei Mercedes nicht genug dafür bedanken und wünsche ihnen viel Glück für die Zukunft. Ich habe hier einige Freunde fürs Leben gewonnen. Es ging auf und ab, aber ich habe noch nie zuvor so viel Unterstützung von einem Team erhalten. Es war mir eine Ehre, die Marke zu vertreten und vielleicht war es ja auch nicht das letzte Mal. Gary und ich gingen sehr schnell von Teamkollegen zu echten Freunden über. Das hat sich auf und neben der Strecke gezeigt. Er ist so ein guter Kerl, total bodenständig. Als ich in die DTM kam, war ich nur ein Neuling und er diese DTM-Legende Gary Paffett. Er war in meinem Rookie-Jahr einer der Titelanwärter und hat ihn nur knapp verpasst. Nachdem ich zu HWA gewechselt bin, habe ich ihn im Folgejahr dann richtig kennengelernt. Das werde ich immer in Erinnerung behalten. Es gab so viele Momente, zum Beispiel in unserem Fahrerraum, an die ich mein ganzes Leben lang denken werde. Ich bin mir sicher, dass wir in Kontakt bleiben werden, denn wir sind schon lange über den Punkt einer reinen Arbeitsbeziehung hinaus. Wenn wir uns unterhalten, dann mehr als Freunde. Wir können für Stunden über alles Mögliche reden. Es ist traurig und hart, besonders nachdem das letzte Rennen in Hockenheim sehr schwierig für mich war. Ich musste bei einigen Gelegenheiten die Tränen zurückhalten. Ich hätte mir ehrlich gesagt gewünscht, dass eine Crew einen Dokumentarfilm über meine sechs Jahre mit dem Team gemacht hätte.
 
Was wird dir am meisten an Deutschland fehlen?
 
Robert Wickens: Schnitzel und das Oktoberfest. [lacht] Nein, ganz ehrlich, die deutschen Fans sind so unglaublich motorsportverrückt. Ich habe vier Jahre lang in Deutschland gewohnt und ich habe wunderbare Erinnerungen daran. Ich habe viele großartige Menschen getroffen, aber was ich am meisten vermissen werde, sind meine ganzen deutschen Kollegen. Jeder war so hilfsbereit und hat mich im Verlauf meiner Karriere sehr unterstützt. Die Fans sind auch fantastisch. Bei jedem Rennen sind die Tribünen voll. Wenn ich daran zurückdenke, habe ich ein Lächeln im Gesicht. Es ist traurig, dass ich gehe, aber gleichzeitig bin ich gespannt auf die neue Herausforderung.